Das 45. Leipziger Bergmannsturnier stand dieses Jahr ganz im Sinne des Sprichworts "Even an idiot connects a peep". Der Grund hierfür war das am Freitag durchgeführte Seminar von Youngsam Kim. Dazu trafen sich in der Villa Leipzig viele interessierte Go-Spieler in allen Spielstärken. Diese nicht ganz triviale Konstellation an Dan und Kyu Spielern wusste Youngsam jedoch sehr gut zu meistern. Ein Kernthema des Seminars war das Beantworten eines Nozokis ohne direkt zu verbinden. Unser Lehrer hatte vor kurzem erst am eigenen Leib erfahren, dass das Befolgen des eingangs genannten Sprichworts schwere Folgen haben kann.
Dazu habe ich mir im Nachhinein ein paar Gedanken gemacht, welche ich hier mit euch teilen möchte. Beginnend mit der Frage, warum dieses Sprichwort existiert und dann doch so falsch sein kann. In einer Partie stelle ich mir nun folgende Gedankenspiele vor. Beim Lesen des Brettes suchen wir ständig nach Schwachstellen in der Formation unseres Gegners. Und dann... toll, ich habe einen 1-Punktsprung oder Schnitt gefunden. Das muss mein Gegner beantworten und ich bin wieder am Zug. In dieser Situation passiert es sicher häufig, dass beide Spieler in dieses Denkmuster verfallen. Sitzen wir auf der anderen Seite des Brettes, fühlen wir uns natürlich auch nicht immer in der Lage eine effizientere Antwort darauf zu finden. Da vor allem das vollständige Lesen anderer Züge in Stress ausartet (Achtung hier übertreibt der Autor ein wenig). Solange wir aber jedes Nozoki einfach decken, können wir unseren Gegner nicht überraschen und das Spiel zu unseren Gunsten lenken. Das nicht unmittelbare Beantworten von gegnerischen Zügen gehört sicher zu den schwierigeren Themen im Go. Doch wir müssen die Mauer des Puppy-Gos durchbrechen. Und genau das war unsere Mission im folgenden Turnier.
Dieses Jahr fanden sich etwa 40 Teilnehmer am wärmsten Wochenende des Jahres. Der große Saal im Erdgeschoss bot uns aber ein angenehmes Klima. Einige nutzten auch die Möglichkeit im Hinterhof ihre Partie auszutragen. So begann auch meine erste Partie im Schatten mit erfrischendem Wind. Und dann waren wir auch schon bei Zug 9 und meinem ersten Nozoki. Dieser wurde natürlich nicht gedeckt, da sich beide gut an das Seminar erinnerten.
Auch im Verlauf des Turniers kamen immer wieder Seminarteilnehmer zu mir und berichteten stolz von ihren neu erlernten Zügen. Das zeigte mir wie gut das Seminar bei allen ankam.
Und natürlich finden die besten Partys immer in der Küche statt. Obwohl es der wärmste Raum im Gebäude war, wollte jeder etwas von frischen Brötchen, Suppen und Kuchen abbekommen. Viele nutzten hier auch die Zeit, um einfach etwas zu plaudern. Wer davon nicht genug hatte, durfte sich am Samstag noch beim Kuchenwettbewerb der Villa bedienen.
Youngsam hat das Turnier über das gesamte Wochenende begleitet und so versuchte jeder, seine Partie im Nachhinein zu besprechen. Die unterschiedlichen Spielzeiten beider Gruppen begünstigten dies, wie Youngsam mir später berichtet. Vor allem die jüngeren Teilnehmer spannten ihn am Samstagvormittag ein.
Das Turnier selbst war natürlich sehr spannend und bis zum letzten Spiel stand noch kein Sieger fest. In der A Gruppe konnte sich Matias Pankoke durchsetzen. Damit waren wir sehr zufrieden, da der Pokal damit in Leipzig bleibt. Trotz des Sieges über Matias, musste sich Benjamin Teuber mit Platz 2 zufrieden geben. Platz 3 belegt Arved Pittner. In der B Gruppe gewann Karsten Graf aus Jena. Dahinter folgt Christian Hosang aus Halle. Ich konnte mir zumindest noch Platz 3 sichern.
Zum Abschluss des Turniers genossen einige noch die Leipziger Seenlandschaft, um sich von den heißen Temperaturen abzukühlen.

Die Turnierergebnisse findet ihr hier:
Gruppe A
http://www.europeangodatabase.eu/EGD/Tournament_Card.php?key=T190629I

Gruppe B
http://www.europeangodatabase.eu/EGD/Tournament_Card.php?key=T190629G